Update #1

Ein mal die Woche möchte ich gerne ein Update schreiben, um damit alle Interessierten auf dem Laufenden zu halten. Wenn ich Zeit finde, kommen auch noch weitere Post zu anderen Themen in den weiteren Tagen.

Was ist also alles passiert?

1. Line Check

Ich habe meinen Line Check bestanden.

Mitte März war es so weit. Ich hatte meinen Initial Line Check und habe Ihn bestanden. Das bedeutet ich werde jetzt dem normalen Flugbetrieb zugeführt. Mit festem Roster (Dienstplan) und wechselnden Kapitänen.

2. Neue Kapitäne

In den letzten Tagen habe ich die ersten Kapitäne abseits der Line Trainings Captains kennengelernt. Das war mir eine große Freude aber auch jeden Tag eine Herausforderung. Vor dem ersten Treffen wusste ich natürlich nichts über den Menschen der mit mir im Cockpit sitzt. Aber an jedem Tag entstand eine entspannte Arbeitsatmosphäre mit guten Gesprächen und guter Zusammenarbeit

3. BRU – CRL

Durch den schlimmen Anschlag in Brüssel wurde der Hauptflughafen im Zentrum geschlossen. Dadurch sind wir gezwungen auf den zweiten Flughafen Carleroi Brussels South auszuweichen. Es war interessant wieder einen neuen Flughafen kennenzulernen auch wenn dieser durch Windböen nicht zu den einfachsten gehört.

Soviel zu dieser Woche. Bis zum nächsten Mal und „Happy Landings“

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Off Tage

Warum schreibe ich einen Post über freie Tage? Man könnte meinen das wäre ein Thema, welches wenig interessantes zu bieten hat.

Ich sehe das persönlich anders.

In der Regel arbeite ich fünf Tage am Stück und habe dann vier Tage frei. Das klingt erst ein Mal nach viel, kennt man doch in der Regel das Model der fünf Tage Arbeit und zwei Tage Wochenende.

So dachte ich Anfangs auch. Dann ist mir aber aufgefallen, wie erschöpfend so eine fünf Tage Woche sein kann. Meine Arbeitstage haben gerne mal 12 Stunden. Das sind auf die fünf Tage gerechnet dann schon 60 Stunden.

Dementsprechend geschafft bin ich nach den fünf Tagen.

Und deshalb kann es schwer sein, mich an den freien Tagen aufzuraffen und etwas zu unternehmen ohne den ganzen Tag im Bett zu liegen und NCIS zu schauen (glaubt mir auch die Tage kommen vor).

Manchmal muss ich mich zwingen. Aber sobald ich das geschafft habe gibt es genug Dinge zu tun. Zur Zeit bin ich beispielsweise in Berlin. Diese Stadt habe ich schon vorher oft besucht aber nie richtig kennengelernt. Das hole ich nun Stück für Stück nach. Letztens habe ich beispielsweise den Wasserfall im Viktoriapark entdeckt. Der ist wirklich einen Besuch wert.

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Wasserfall im Viktoria Park

Sightseeing? Geht auch in der Luft!

Die wohl am häufigsten gestellte Frage ist wohl: „ Was hast Du denn alles cooles, schönes, beindruckendes, spannendes, usw., usw. gesehen?“

Bei den Antworten komme ich trotz der erst relativ kurzen Zeit ins Schwärmen.

Sehr gefallen tut mir jeder Überflug der Alpen. Egal ob mitten am Tag, bei Sonnenaufgang oder Untergang. Jeweils zwischen Tag und Nacht werden die Berge in ein schönes Licht getaucht. Am Tag kann ich dafür die verschneiten Hänge gut sehen. Inklusive der Skigebiete und allem was dazugehört. Menschen dort auszumachen ist doch etwas schwierig. Das ist der großen Höhe geschuldet.

Auf einem oder zwei Sektoren bin ich auch über meine Heimat geflogen.

Gebürtig stamme ich aus dem Weserbergland. Genauer aus Bad Pyrmont im Landkreis Hameln/Bad Pyrmont. Das Wetter war leider nie gut genug, als dass ich Fotos hätte machen können, aber was nicht ist kann ja noch werden.

Auf den Flügen nach Glasgow sind mir zwei Dinge aufgefallen. Zum einen fliegen wir über die Nordsee aus Deutschland hinaus und können an guten Tagen Sylt bewundern. Und zum zweiten sind die Schottischen Highlands wunderschön anzusehen. So hat sich Schottland dann auch schnell auf meine Liste zu besuchender Orte geschmuggelt.

Mit am spannendsten bis jetzt ist aber der Anflug auf Rom Campino. Um dort anzukommen muss man weite Teile der Innenstadt überfliegen. Das zu sehen ist wirklich außergewöhnlich. Der Petersplatz ist ebenso sichtbar wie der Circus Maximus und das Kolosseum.

Die Liste könnte ich jetzt noch ewig weiterführen aber das sprengt den Rahmen. Aber vielleicht werde ich ab und zu meine Highlights in einem weiteren Post zeigen.

Line Training

Es ist vollbracht. Ich habe mein Line Training beendet. Mein Linecheck führte mich nach London Stansted und zurück nach Berlin-Schönefeld. Für diejenigen die nicht wissen worüber ich gerade rede, ein Line Check markiert das Ende des Trainings. Ich bin mit einem Kapitän unterwegs gewesen wie an jedem anderen Tag auch. Nur dieses Mal hatte ich keinerlei Hilfestellung zu erwarten, wohl aber eine Beurteilung am Ende des Tages. Sprich ich war als Pilot Flying ganz eigenständig für z.B.die Planung des Sinkfluges zuständig. Das war etwas ungewohnt, da bis zu diesem Tage der Trainingskapitän immer mit Rat und Tat zur Seite stand. Aber auch ohne Hilfe habe ich meine Sache gut gemacht. Jetzt kommt das „normale“ Leben auf der Linie auf mich zu. Ich freue mich auf den geregelten Arbeitsplan beispielsweise. Warten tue ich noch auf die Bestätigung an welcher Base ich Zukunft stationiert werde. So bleibt es spannend.

Wieder ein Mal long time no see.

Ich entschuldige mich wieder Mal, dass es so lange ruhig geblieben ist. Aber meine Zeit ließ es wirklich nicht zu, dass ich mich regelmäßig hier zu Wort melde. Ob sich das in Zukunft ändert, weiß ich nicht aber heute war es mir ein Bedürfnis, das ein oder andere Wort loszuwerden.

„Wie ist der Stand der Dinge?“

Meine häufigste Antwort, wenn ich nicht das Bedürfnis habe lange Erzählungen zu starten: Soweit gut. Ich komme nur mit Deutsch und Englisch dauernd in den mix up!

Die lange Version ist, mir geht es bestens. Ich fliege kreuz und quer durch Europa und lerne jeden Tag neue spannende Dinge und verbessere mich in den Dingen die ich schon beherrsche. Ich habe schätzungsweise 2/3 meines Line Trainings geschafft und fühle mich immer wohler. Schnell fühlte ich mich im Anflug auf Berlin, meine Home Base zur Zeit, wie ein alter Hase. Das ist ein wirklich gutes Gefühl einen Flughafen immer besser zu kennen. Zu wissen, welche Taxiroutes man erwarten kann, die SID’s im Kopf schon geflogen zu sein, wenn man nur ihren Namen auf dem Flugplan liest.

Auch mit dem Flughafen Schönfeld im Süden von Berlin bin ich mehr als glücklich. Hier trifft man auf gute Controller und fähiges Ramppersonal. Ich hoffe sehr, dass ich nach dem Line Training an dieser Base bleiben kann.

Soweit ein kurzes Update von mir. Hoffentlich bald mehr.

 

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Der Sommerflugplan

Langsam macht es sich bemerkbar, dass der Sommer am Flughafen Einzug hält. Der Bedarf, den wir alleine morgens an Ramp Agenten haben ist enorm. Und dabei sind wir im Vergleich zu Frankfurt und Düsseldorf noch ein recht kleiner Flughafen. Viele Airlines möchten morgens am liebsten um 0600 lcl in der Luft sein. Das Problem ist, dies betrifft ungefähr 10 Flugzeuge. Deshalb fehlt es schon ab dem frühen Morgen an einigem. Ladepersonal, Pushbackfahrzeugen usw. Aber letzten Endes lösen sich die Probleme letzten Endes und die meisten Maschinen gehen pünktlich Off Block oder mit minimaler Verspätung, was dann dem vorbeirollenden Traffic geschuldet ist.

Über den Tag reißt die Kette an Flugzeugen und Airlines aber nicht ab. Allein aus Antalya kommen täglich mehrere Airlines um dem Urlauberstrom in die Türkei Herr zu werden. So kommt es von Zeit zu Zeit vor, dass Flugzeuge, obwohl sie für eine Fingerposition vorgesehen waren auf eine Außenposition ausweichen müssen, oder Flugzeuge aus dem Nightstop gar nicht erst umgeschleppt werden und auf der Ramp 2 abgefertigt werden müssen. Dies birgt eine großes Herausforderungspotential aber ermöglicht auch Non Standard Turnarounds die durchaus eine Bereicherung sein können. Alles hat sein Gutes und Schlechtes. Ich genieße die Zeit die mir auf dem Vorfeld bleibt und gucke in die Ferne. Etwas mehr als 100 Tage noch, dann beginnt das Type Rating.

… Für meine berufliche Zukunft

Ich habe mir zusammen mit einem Arbeitskollegen (er wird bei Swiss Global als Pilot anfangen) ein Mal die Frage gestellt: Was nehme ich mit nach einem Jahr als Ramp Agent.

Ich habe ein viel besseres Verständnis dafür, wie eine Abfertigung abläuft. (Für mich im besonderen wichtig, da ich Ryanair selbst häufig abfertigen darf. Das mag im ersten Moment irrelevant klingen. Aber ich erlebe es quasi jeden Tag dass Piloten keine Ahnung davon haben wie es funktioniert. Letzen Sommer wurde ich von dem Kapitän einer griechischen Airline „angefahren“ warum der Check-In, auch nachdem er eigentlich schon geschlossen sein sollte, noch geöffnet wäre. Wenn er besser informiert gewesen wäre, hätte er gewusst, dass der Ramp Agent mit dem Check-In nichts zu tun hat und auch keinen Einfluss ausüben kann. Freundlich wie ich bin habe ich Ihm dies auch zu verstehen gegeben und wurde darauf hingewiesen, dass ich das sehr wohl zu überwachen hätte. Darauf hin habe ich mich dann der weiteren Unterhaltung entzogen. Es gibt unzählige weitere, ähnliche Erinnerungen an solche Situationen. Allein schon aus diesem Grund habe ich einen ungeheuren Mehrwert für meine berufliche Zukunft durch dieses Jahr.

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Die letzten Wochen

Sie sind angebrochen. Es sind zwar noch einige aber ich kann schon anfangen zu zählen. Das macht mich froh. Jeden Tag kann ich auch zu ungeheuer frühen Stunden aufstehen und es macht mir nichts aus. Meine beruflichen Zukunftsängste sind erst ein Mal, im wahrsten Sinne des Wortes, verflogen. Ich weiß zwar nicht wo meine Base sein wird und mir ist durchaus bewusst, dass es weit von meiner Heimat entfernt sein kann, aber es überwiegt die Freude auf das was kommen wird. Der August ist objektiv nicht mehr weit entfernt. Aber subjektiv sind es noch Jahre.

(K)eine Sonderbehandlung

Heute nur eine kurze Anekdote aus dem Alltag, die mir aber doch besonders positiv aufgefallen ist.

Durch meine Besuche am Gate während der Turnarounds ist es mir doch aufgefallen, welches Verhalten einige Damen und Herren der gehobenen Buchungsklassen an den Tag legen. Ihnen wird, was durch den höheren Ticketpreis durchaus gerechtfertigt ist, eine Sonderbehandelung zu Teil. Was viele Menschen aber missverstehen ist, dass dies nicht beinhaltet, das Personal von oben herab zu behandeln.

So kam es vor, dass Gäste viel zu spät am Gate erschienen und verlangten noch einsteigen zu dürfen, mit der Begründung, man habe für diesen Service gezahlt. Dies entspricht absolut nicht der Wahrheit aber diese Erfahrung machen meine Kollegen am Gate immer wieder.

Ich möchte betonen, dass ich davon aussgehe, dass die meisten Gäste sehr umgänglich sind und sich freuen fliegen zu dürfen.

Bei einem Swiss International Flight am heutigen Tage, war 15 Minuten vor Schedule ein Gast der gehobenen Buchungsklasse viel zu spät am Check-In erschienen. Die Gate Agenten wurden während des Boardings darüber informiert. Bis der Gast am Flieger wäre, würden mindestens 25 Minuten vergehen.

So würde es eine Verspätung geben. Ich besprach mich kurz mit dem Kapitän und legte Ihm die Situation da. Zusammen entschieden wir dann, den Gast auszuladen und ohne Ihn zu fliegen. Denn wer nicht rechtzeitig am Gate erscheint, hat das Recht den Flug antreten zu dürfen verspielt.

Ich begrüße die Haltung des Kapitäns sehr und möchte dies hervorheben.

Aprilwetter

Anders, als der Titel vielleicht vermuten lässt, wird dieser Post keine Beschwerde über das aktuelle Wetter. Nein viel mehr wird es eine Lobhymne. Ich bin etliche Tage nicht mehr wirklich nass geworden. Dies war in den vergangenen Monaten eigentlich an der Tagesordnung. Nun scheint seit einer Woche fast ausschließlich die Sonne. Das spiegelt sich direkt in der Arbeitsmoral am Airport wieder. Die Lader laden lieber. Die Ramp-Agenten sind hoch motiviert und fertigen auch Ihre „Unmuts-Flieger“ besser und schneller ab. In der freien Zeit zwischen zwei Fliegern sehe ich die Anderen gerne auf leeren Trollys in der Sonne liegen und den Airport um sich herum für ein paar Minuten ausblenden. Ich habe erst überlegt, ob ich es vermissen werde draußen zu arbeiten. Ich habe beschlossen dass die Antwort „Nein“ lautet. Wenn ich im Cockpit bin, werde ich jeden Tag die Sonne sehen. Wie cool ist dass denn?

Der Ausstausch mit Crews von verschiedenen Airlines wird mir fehlen. Dachte ich zumindest. Erstens trifft man an den Airports dieser Welt immer auf Crews anderer Airlines und zweitens habe ich die Möglichkeit ganz viele Menschen aus ganz Europa bei Ryanair kennen zu lernen. Das wird grandios. Das weiß ich.